Die Entwicklung der JHW-Solingen in der Tagespresse

Die Jugendhilfe-Werkstatt wurde 1986 mit dem Ziel gegründet, jungen Menschen eine berufliche und soziale Perspektive zu bieten. Die Jungen und Mädchen stammen aus sozial benachteiligten Familien, die nicht auf der Sonnenseite der Gesellschaft stehen. Sie bringen nicht die besten Vorrausetzungen für eine rosige Zukunft mit, besitzen keinen Hauptschulabschluss und keine Lehre, haben keine Arbeit und es fehlen Deutschkentnisse. Über 500 Jungen und Mädchen unterschiedlicher Nationalität im Alter von 15 bis 18 Jahren besuchten in den letzten 20 Jahren unsere Werkstatt.

 Die Jugendlichen zu motivieren, ihnen eine faire Chance zu bieten und das Gefühl zu geben, nicht überflüssig zu sein, ist die Grundlage des täglichen Lernes. Im Vordergrund steht, den jungen Menschen Erfolgserlebnisse zu vermitteln.

In den Werkbereichen Holz und Metall lernen bis heute jeweils 8 Jugendliche unter Anleitung zweier Werkpädagogen handwerkliche Fertigkeiten. Zudem erhalten sie die Möglichkeit, ihre schulischen Defizite aufzuarbeiten und den Hauptschulabschluss zu erlangen. Der Förderunterricht wird in Kleingruppen von unserer Lehrkraft erteilt. Nach etwa einem Jahr wird die Weitervermittlung in eine Ausbildung, eine Arbeitsstelle oder eine weiterführende Qualifizierungsmaßnahme angestrebt.

Die erlernten Fertigkeiten bilden die Grundlage, um sich auf das spätere Berufsleben vorzubereiten. Veranwortung zu übernehmen, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Durchhaltevermögen einzuüben, sind weitere Voraussetzungen für die Vermittlung in die Berufswelt.

1996 führten wir als weiteres Angebot die Kunst- und Metallgestaltung ein, die sich um den Bereich der Glasgestaltung erweiterte. Unter Einbeziehung der Kreativität entstanden kleinere und größere Kunstwerke.

Metall wird geschmiedet, geschnitten, gesägt, gebohrt, gefeilt und geformt. So entstehen skurile Vögel und Insekten, große Skulpturen für Botanische Gärten und Parkanlagen, Gartentore sowie Gartenbänke und -tische. Seit drei Jahren besitzen wir Glasschmelzöfen, in denen Glas bei 1000° Grad zu Augen, Flügeln und Glasschalen geschmolzen und geformt wird. Durch die Kombination von Glas und Metall wird den Skulpturen eine noch stärkere Ausdruckskraft verliehen. So hauchen wir dem grauen Metall eine Seele ein und geben dem Glas die Form, die Farbe und das Licht.

... und was in 20 Jahren daraus entstanden ist.

Unsere Einrichtung hat sich zu einer Ideenschmiede entwickelt.

1994 schufen wir das Solinger Mahnmal nach dem Brandanschlag auf die türkische Familie Genç am 29. Mai 1993.
Dieses Mahnmal steht gegen Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit. Es ist ein einmaliges Zeichen, das weltweit Beachtung fand.


Die Skulptur Freundschaft erhielt ihren Standort in der alten, bis heute erhaltenen Jüdischen Synagoge Titz-Rödignen. Sie symbolisiert durch ihre verschieden farbigen Hölzer und die Geste der Umarmung die Freude an der Gemeinsamkeit des Verschiedenen und steht   damit für ein humanitäres Weltbild, das von Toleranz und Freundschaft  unterschiedlichen Glaubens und anderer Herkunft gekennzeichnet ist.


Ein weiteres Mahnmal wurde für die aus Solingen verschleppten Sinti-Familien, die in Auschwitz ermordet wurden, errichtet. Zwei Eisenbahnschienen, die mit geschmiedetem Stacheldraht verbunden sind, stehen auf zwei Stahlsockeln. In dem Stacheldraht sind zwei große Blutstropfen aus geschmolzenem Glas eingefasst.  "Auf der Schiene abtransportiert, hinter Stacheldraht eingesperrt, tausendfaches Menschenblut vergossen", wird mit diesem Symbol ausgedrückt.